„Er ist der Größte!“ Edgar Degas und Auguste Rodin. Giganten im Wettlauf zur Moderne

23.02.2016

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Vom 25. Oktober 2016 bis zum 26. Februar 2017 zeigt das Von der Heydt-Museum Wuppertal eine weitere Schau zum Impressionismus. Bilder und Skulpturen von Edgar Degas werden Skulpturen von Auguste Rodin gegenübergestellt. Degas und Rodin kannten einander und sie schätzen sich. Einer sagte vom anderen: „Er ist der Größte!“ Sie porträtierten die Armen und die Reichen, liebten die Frauen und den Pferdesport. Sie waren Außenseiter und Rebellen und sie waren Genies.DTR_397586_frei_cmyk

Nach Renoir, Monet, Sisley und Pissarro zeigt das Von der Heydt-Museum die zwei Giganten des Impressionismus im Wettstreit um das Neue in der Kunst.

Ich habe Ihre Neugier geweckt und Sie wollen mehr wissen? Dann schauen Sie unter http://vdh.netgate1.net/Vorschau.html

Bildnachweis:

Abb. 1: Zwei Tänzerinnen, um 1900, Von der Heydt-Museum Wuppertal

Abb. 2: Das eherne Zeitalter, nach 1877, Detroit Institute of Arts, USA / Bridgeman Images

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TONY CRAGG Retrospektive

22.02.2016

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Vom 19. April bis zum 14. August 2016 präsentiert das Von der Heydt-Museum Wuppertal eine umfassende Retrospektive des bedeutendsten britischen Bildhauers der Gegenwart Tony Cragg (geb. 1949). Die Ausstellung wird auf allen drei Etagen des Museums gezeigt und gibt einen Überblick über das gesamte Schaffen.

Der Künstler zeigt Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie Werke, die bisher noch nie ausgestellt wurden. In Themenräumen entfaltet sich die vielseitige Entwicklung des Bildhauers, in denen die Materialvielfalt eine große Rolle spielt.

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Bildnachweis:

Abb. 1: Tony Cragg, Versus, Holz, 2010 © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

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Ben Patterson im Museum Ostwall

15.02.2016

Am 18. September 2015 erhielt der US-amerikanische Künstler Ben Petterson den MO-Kunstpreis 2015 „FOLLOW ME DADA AND FLUXUS“. Der Preis in Höhe von 10.000 Euro wird von den Freunden des Museums Ostwall jedes Jahr vergeben. Das mit dem Preisgeld angekaufte Werk soll den Sammlungsschwerpunkt Fluxus im Museum Ostwall aktualisieren und stärken. Inzwischen ist das Werk von Ben Patterson – „Two for violins“ – Patterson, after „One for violins“ aus dem Jahre 1991 Teil der Fluxus-Sammlung des Dortmunder Museums. 1_Patterson_Two_for_Violins_Collection

Die Arbeit stellt einerseits eine Hommage an Nam June Paik (1932-2006) dar, andererseits einen ironischen Kommentar zur Musealisierung der Fluxus-Bewegung: Auf einen Holzträger aus Türattrappen mit Schloss und Schlüssel hat der Künstler die Einzelteile einer Violine sowie zwei Spieluhren montiert. Der Titel geht zurück auf ein Fluxus-Konzert von Nam June Paik, das erstmals im Jahr 1962 aufgeführt wurde: Inspiriert von der Kompositionslehre John Cages hob Paik im Zeitlupentempo eine vor sich auf dem Tisch liegende Violine über seinen Kopf, um diese dann plötzlich mit einem Schlag auf dem Tisch zu zertrümmern. Patterson führte diese Performance Jahre später erneut auf und verarbeitete die in Einzelteile zertrümmerte Violine zu einem Wandobjekt. Auf diese Weise kommentiert er ironisch den Wunsch der Sammler und Museen, die Fluxus-Bewegung für die Nachwelt zu erhalten, auch wenn dies im Falle von Aktionskunst, die für den Augenblick gemacht ist, nicht möglich ist. „Two for violins“ – Patterson, after „One for violins“ ist vom 18. September 2015 bis zum 31. Januar 2016 in einer Ausstellung im MO Schaufenster im Zusammenklang mit anderen Werken des Fluxus-Künstlers zu sehen gewesen.

Ben Patterson ist ausgebildeter Musiker und gehört mit seinen Performances und Objekten zu den Pionieren der Fluxusbewegung, die in ihren Festivals und Veranstaltungen Alltag und Kunst subtil und machmal überraschend konfrontativ miteinander verbanden.

Zurück zur Verleihung des Kunstpreises am 18. September: Die Fluxus-Aktion Pattersons machte die Verleihung des Kunstpreises zu einem in Erinnerung bleibenden Erlebnis. Das Foyer des Museums war mit Mikrofonen, Musikanlage und Filmkamera für den Ablauf und das Filmen der Aktion vorbereitet. Nicole Grothe, die Leiterin der Sammlung des Museums, eröffnete die Verleihung mit ihrer Laudatio. Dann überließ sie Patterson die „Bühne“.

Aktion Nummer eins: Patterson platzierte einen Stuhl in eine Ecke und bat eine Person aus dem Publikum darauf Platz zu nehmen. Wie der Zufall spielte handelte es sich bei dieser Person um den Stadtdirektor der Stadt Dortmund, Jörg Stüdemann. Bei dramatisch lauter klassischer Musik reichte Patterson Jörg Stüdemann eine Pickelhaube mit der Bitte, sie sich auf den Kopf zu setzen und unter dem Kinn fest zuzuschnallen. Anschließend positionierte sich Patterson hinter den Stuhl und somit hinter die Person. In seinen Händen befand sich eine Violine. Effektvoll langsam, die gespannte Erwartung der Gäste schürend, hob der Künstler die Violine in die Höhe und ließ diese eine ganze Zeit lang über dem Kopf des Stadtdirektors verharren. Urplötzlich riss Patterson die Arme nach unten und zerschmetterte mit lautem Krach die Violine auf dem durch die Pickelhaube geschützten Kopf des Jörg Stüdemann. Im Augenblick des Zerschmetterns entlud sich die gespannte Atmosphäre bei den Gästen in einem kollektiven Schreckenslaut.

Nachdem Patterson sich über die Unversehrtheit seiner Stüdemanns versichert hatte, folgte Fluxus-Aktion Nummer zwei.

Neben einem Tisch, der an der Wand stand, konnte man eine Standpumpe zum Aufpumpen für zum Beispiel Fahrradreifen erkennen. Auf dem Tisch waren ordentlich aufgereiht Tüten mit Nüssen und Naschereien, einige Dosen Sprühsahne sowie ein zusammengefaltetes Objekt aus Kunststoff zu sehen. Untermalt von weiterhin dramatisch lauter Musik nahm Patterson die Standpumpe und das Objekt zur Hand und füllte es mit Luft. Bald schon erkannte man es als eine aufblasbare Kunststofffigur aus dem Gemälde von Edvard Munch mit dem Titel Der Schrei.

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Mehr und mehr fältete sich die Puppe auf bis sie schließlich ganz aufgeblasen war. Nun legte Patterson sie auf den Tisch. Wir fragten uns, was nun weiterhin geschehen würde. Er nahm die Sahne und besprühte die auf dem Tisch liegende Puppe damit. Alles geschah scheinbar sorgfältig und mit Ruhe und Überlegung ausgeführt. Dann öffnete er die Tüten mit Nüssen und Naschereien und verteilte diese in die Sahne hinein. Ich beobachtete alles konzentriert und neugierig. Damit befand ich mich in guter Gesellschaft. Ich hatte nämlich einen leicht erhöhten Platz und konnte das Publikum gut überblicken. Jeder schien den Aktionen des Künstlers mit gebannter Neugier zu folgen. Nun hob Patterson einen mittelgroßen Glasbehälter vom Tisch, der mit noch in ihrer Verpackung steckenden Essstäbchen gefüllt war. Mit dem Glas ging er auf das Publikum zu und ermunterte jeden Gast Essstäbchen zu nehmen. Er bat, die Packung zu öffnen, zum Tisch zur Kunststofffigur zu gehen, von der die Sahne allmählich nach links und rechts herabfloss, und die Süßigkeiten und Nüsse in ihr zu essen. Es war toll und lustig. Bald war der Tisch von mit Essstäbchen naschenden Personen umringt. Man lachte, fand die Aktion amüsant, vielleicht auch ein wenig nonsens, aber man kam ins Gespräch und fragte einander nach den Eindrücken.

Schließlich fanden die Gäste sich zu einem ungezwungenen Beisammensein zusammen. Miteinander plaudernd trank die ganze Gesellschaft Sekt, ließ sich vom freundlich-geduldigen Ben Patterson Essstäbchen , die Einladung oder Sonstiges signieren und am Ende des Abends durfte man sogar ein von Patterson handsigniertes Multiple mit nach Hause nehmen.

So richtig wurde einem zwar nicht klar, welchen Sinn die aufblasbare Kunststoffpuppe in Kombination mit dem Essen und der Musik hatte. Aber einen Zweck hatte die Aktion auf jeden Fall erfüllt. Im diesem entspannten Beisammensein war man ganz einfach glücklich. Endlich einmal ein eher sinnentleehrt erlebtes Kunstereignis. Wie entspannend kann denn das sein. Und am Ende nimmt gar ein Geschenk mit nach Hause! Welche ein schöner Abend – mit diesem Gedanken sind mein Mann und ich nach Hause gegangen.

Gleichzeitig zur Verleihung des Kunstpreises wurde die aktuelle Sammlungspräsentation des MO Neues Spiel, neues Glück. Sammlung in Bewegung eröffnet.

 

Abb. 1: Ben Patterson: „Two for violins“ – Patterson, after „One for violins“ – Paik, 1991

Abb. 2: Edvard Munch: Der Schrei (aufblasbare Kunststofffigur 1,35 x 0,40 m)

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Weltkunst. Von Buddha bis Picasso. Die Sammlung Eduard von der Heydt

08.02.2016

Auf zwei Etagen präsentiert das Von der Heydt-Museum Wuppertal einen beeindruckenden Blick auf die Familie und insbesondere auf das Mäzenatentum von August und Eduard von der Heydt.

Gezeigt werden 350 Kunstwerke. 250 stammen aus dem europäischen Raum und sind Teil der Sammlung des Von der Heydt-Museums. 100 Ausstellungsstücke stammen aus dem außereuropäischen Raum – aus Asien, Afrika, Amerika oder Ozeanien – und befinden sich im Besitz des Museums Rietberg in der Schweiz. Die Ausstellung umspannt einen Zeitraum von fast 5000 Jahren. Die ältesten Werke sind etwa 3000 v. Chr. entstanden, die Jüngsten Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Besucher begibt sich auf eine Reise, die in Elberfeld zum Ende des 19. Jahrhunderts beginnt. Danach lernt man anhand von Bildnissen und historischen Fotografien Mitglieder der Familie von der Heydt kennen. Der darauf folgende Raum ist dem Sammlungsgedanken des August von der Heydt gewidmet. Weitere drei Räume zeigen herausragend schöne Skulpturen und Gemälde, die er erworben und dem Museum geschenkt hat. Im vorletzten von insgesamt sieben Räumen auf der ersten Etage wendet man sich erstmals Eduard von der Heydts zu: und zwar seiner Biografie. Ein wenig verwundert nimmt man einen Raum später zur Kenntnis, dass dieser auch eine Niederländer-Sammlung angelegt hatte. Die zweite Etage hält im ersten Saal zahlreiche außereuropäische Kunstwerke für den Besucher bereit. Man folgt nun von Raum zu Raum den Lebensstationen Eduard von der Heydts; verschafft sich zum Beispiel  einen Einblick in dessen Wohnräume in seinem Haus in Zandvoort. Ganz besonders beeindruckend: Der über 30 Meter lange Glasgang des Hauses in Zandvoort, der von der Kuratorin der Ausstellung, Antje Birthälmer, auf der Basis einer historischen Fotografie aus dem Jahr 1933, nachgestaltet wurde. Ein anderer Raum erlaubt einen Blick auf die moderne Einrichtung seines Hauses in Berlin-Wannsee. Danach folgt der Nachgestaltung des Speisesaals des Hotels Monte Verità in Ascona auf dem Berg Monte Verità. Dieser gehörte dem Freiherrn seit 1926. Und dort speiste man umgeben von herausragend schönen Kunstwerken aus seiner Sammlung. Schließlich zeigt eine historische Fotografie die Einrichtung der Casa Anatta auf dem Monte Verità. Eduard von der Heydt wohnte auf dem Berg nämlich nicht in seinem Hotel, sondern nah unterhalb des Hotels in diesem eher kleinen Haus. Die Ausstellung widmet einen Bereich  der Rolle des Kunstsammlers während des Nationalsozialismus. Der letzte Saal schließlich ist zweigeteilt. Zunächst wird das Museum Rietberg mit historischen Fotografien und Kunstwerken geehrt. Den Abschluss bildet ein Auszug aus dem Sammlungsbestand des Von der Heydt-Museums. Noch einmal ein prächtiger Überblick über dessen Besitz.

 

RAUM 1Elberfeld um die Wende zum 20. Jahrhundert

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Im ersten Raum befinden sich drei historische Fotografien, die die Geschichte Elberfelds zum Thema haben. Die erste Fotografie zeigt einen Blick vom Döppersberg über den Brausenwerther Platz Richtung Alte Freiheit und Innenstadt. Gut zu erkennen sind Traggerüst und eine Reihe von Waggons der Wuppertaler Schwebebahn. Im Oktober 1900 lenkte Kaiser Wilhelm II. als erster Gast seine Schritte in einen Waggon und fuhr eine Probefahrt. 1903 wird die gesamte Strecke mit 20 Haltestationen für den öffentlichen Personennahverkehr freigegeben. Die Städte Elberfeld und Barmen zeigten der Welt mit diesem Bau über welch immense finanzielle Möglichkeiten sie verfügten und über welch großes technisches Know-how.

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Eine zweite historische Fotografie zeigt das Städtische Museum Elberfeld. Das seit 1961 nach August und Eduard von der Heydt so benannte Von der Heydt-Museum ist keine eigens für die Präsentation von Kunst gebaute Architektur. Es handelt sich um das Alte Rathaus der Stadt Elberfeld (erbaut 1827-1842). 1892 gründete August von der Heydt (1851-1929) mit anderen honorigen Bürgern der Stadt Elberfeld den Elberfelder Museumsverein. Um 1901 herum erhielt er Kenntnis davon, dass die Stadt plant, ein neues Rathaus zu bauen. So erbat er sich die künftig museale Nutzung des Hauses. Er erhielt die Zusage und das Städtische Museum Elberfeld wird 1902 eröffnet. In vier Sälen präsentiert der Verein Kunst.

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Die letzte großformatige historische Fotografie im Raum zeigt das Bankhaus Von der Heydt-Kersten & Söhne in Elberfeld. Im Zweiten Weltkrieg wurde es durch Bombentreffer zerstört. Bis 1950 wurde es im alten Stil wieder aufgebaut. Ende der 1960er Jahre riss man das klassizistische Gebäude ab und ersetzte es durch einen Waschbetonbau.

 

RAUM 2Die Familie Von der Heydt

In diesem Raum sieht man linkerhand eine großformatige historische Fotografie. Sie entstand 1905 und zeigt von links nach rechts Eduard, dessen Eltern August und Selma sowie seinen um ein Jahr älteren Bruder August. Eduard von der Heydt wurde 1882 in Elberfeld geboren. Seine Eltern entstammen dem gebildeten und wohlhabenden Großbürgertum Elberfelds. Der Familie gehörte das Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne.

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Den Wohlstand der Familie begründet zunächst Daniel Heinrich von der Heydt, dessen Porträt von Heinrich Christoph Kolbe in diesem Raum zu sehen ist. Er heiratete in das Bankhaus Kersten & Söhne ein und mehrte durch geschickte Finanztransaktionen dessen Wohlstand.

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Dessen Sohn, August Von der Heydt (1801-1874), das vierte Porträt in diesem Raum bildet ihn ab, macht die Familie weit über Elberfeld hinaus bekannt. Er geht in die Politik, wird 1848 zum preußischen Handelsminister und 1862 zum Finanzminister ernannt. Er wurde 1863 von König Wilhelm I. von Preußen aus Dankbarkeit um seine Verdienste in den erblichen preußischen Adels- und Freiherrenstand erhoben. Der Titel öffnet der Familie die Salons des Adels. So bewegt man sich fortan in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen. An der zweiten mit Porträts geschmückten Wand sieht man von Karl Stockmeyer gemalt August und Eduard von der Heydt musizierend.

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Daneben befindet sich ein Bildnis des Vaters August und ganz rechts eines der Mutter Selma. Weitere Fotografien vervollständigen das Bild rund um das Leben der Familie in Elberfeld um 1900.

 

RAUM 3Der Anfang der Sammlung 

Der Raum wird auf den ersten Blick von einer historischen Fotografie aus dem Jahr 1902 dominiert. Zu sehen ist der so genannte Kaminsaal. Kaminsaal deshalb so benannt, weil ein beinahe drei Meter hoher Kamin den Saal dominierte.

 

 

ABBILDUNGEN

Abb. 1: Sechswagenzug, Wuppertal 1903

Abb. 2: Städtisches Museum Elberfeld, 1911/12

Abb. 3: Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne am Neumarkt in Elberfeld um 1880

Abb. 4: Heinrich Christoph Kolbe, Daniel Heinrich von der Heydt, 0.J.

Abb. 5: August Freiherr von der Heydt, 1871

Abb. 6: Leopold von Kalckreuth, August Freiherr von der Heydt, 1911

 

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Friedensreich Hundertwasser im Osthaus-Museum Hagen

16.01.2015

Hundertwasser – Lebenslinien

Vom 1. Februar bis zum 10. Mai 2015 zeigt das Museum in Hagen 130 Werke, die Hundertwassers unterschiedliche Schaffensgebiete würdigt: Malerei, Druckgrafik, angewandte Kunst und Architektur. Zudem wird Hundertwassers Stellung zum Thema Ökologie und Menschheit erläutert.

Friedensreich Hundertwassers Lebensphilosophie bezog sich auf eine ganzheitliche Auffassung von Mensch, Natur und Kunst und prägte sein künstlerisches Schaffen ebenso wie seine persönliche Lebensweise.

Die Journalistin Edith Hoffmann schrieb 1964 in The Burlington Magazine: „Nach dieser Wanderausstellung wird Hundertwasser einer der bekanntesten Maler Europas sein. Das lässt sich mit Gewissheit voraussagen, da seine Bilder sich von denen aller anderen unterscheiden und sich ohne weiteres dem Gedächtnis einprägen.“

 

Während der gesamten Laufzeit führe ich Einzelgäste oder Gruppen gerne durch die Ausstellung.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter www.osthausmuseum.de

Abb.: Friedensreich Hundertwasser, 752 BLACKMISTER SKY, 1975, Mixed Media, 67 x 40 cm, © 2015 NAMIDA AG Glarus, Schweiz

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KÖRPERMAUMAU – Skulptur Winter/Hörbelt in Dortmund

27.04.2014


Vom 5. April bis zum 28. September 2014 zeigt das Museum Ostwall 14 Werke des Künstler-Duos Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt. Die Ausstellung mit dem Titel Körpermaumau – Skulptur Winter/Hörbelt kreist um die Themen Raum – Körper -Spiel. So sind fast alle Skulpturen und Installationen körperlich erfahrbar. Der Besucher entscheidet, ob und auf welche Weise er sich auf die Objekte einlässt.

Traditionelle Materialien, die  in der Bildhauerei gebräuchlich sind, Marmor oder Bronze, sucht man in den Werken von Winter/Hörbelt vergebens. Fast alle Skulpturen und Installationen sind aus alltäglichen und industriell gefertigten Materialien gestaltet. Diese sind der eigentlichen Nutzung enthoben und zu etwas Neuem transformiert.

So besteht das konstruktive Gerüst der Pendelplattform, dass das Zentrum des Ausstellungsparcours durch ihren Durchmesser von acht Metern bildet, aus Edelstahl. Des Weiteren setzten die beiden Künstler Kunstharz, Pigmente und Neonlicht für ein Pendelobjekt eingesetzt, das maximal von zwei Besuchern gleichzeitig nutzbar ist. Das schwingende Objekt bewegt die Körper der Schaukelnden durch den Raum. Bei langsamer Bewegung verändert sich die Gesamtwahrnehmung des Raumes.

Auch die Arbeit Röhrenbau, 2004/2014, ist körperlich erfahrbar. Sie lädt zum Verweilen ein. Die zwei großvolumigen Röhren bestehen aus jeweils 297 Getränkekisten sowie aus Stahl, Gummi und Holz. Die Getränkekiste ist in dieser Installation zu einer Amphore geworden, von einem Gebrauchs- zu einem Kunstgegenstand. Es gibt viele vorgefertigte Dinge um uns herum, die nützlich sind. Die beiden Künstler transformieren Gegenstände des Alltags, um unsere Lebenswelt für neue Perspektiven und neue Bedeutungen zu öffnen. Es ist weniger wichtig, dass wir die Dinge besitzen, als dass, was wir mit ihnen tun. Funktionalität und Ästhetik bestimmen das Objekt. Winter/Hörbelt entwickelten den Röhrenbau aus den vorangegangenen Kastenhäusern.

Die Verkehrsinsel,2014, eine in etwa vier mal vier Meter große Plattform, ist ebenfalls benutzbar. Sie besteht aus Holz und Fragmenten aus Straßenschildern und ruht auf einem flexiblen Geflecht aus Bonell-Federkernen. Die Fragment aus Straßenschildern bilden mosaikartig die Fläche. Die Arbeit ist klanganimiert , da der Besucher mit seinem Körpergewicht an einer bestimmten Stelle einen Klang auslöst. Die Arbeit erinnert mich an eine großformatige Zeichnung Regent Street Regent’s Park (Dickens thought it looked like a racetrack) von Larissa Fassler, die im vergangenen Jahr im Museum Ostwall in der Ausstellung  Stadt in Sicht gezeigt wurde. Fassler hatte dem Werk die Idee von einer Stadt als Abbild des menschlichen Körpers zugrunde gelegt. Sie erwanderte das Areal rund um Regent Park/Regent Street in London in einem Radius von ca. zwei Kilometern und notierte bzw. fotografierte dabei alle Straßenschilder. Diese zeichnete sie im Atelier ab und übertrug sie in minimalisierter Form auf eine großformatige Zeichnung mit einer Karte Park und Straße. Dabei symbolisiert das Rund des Parks im Übertrag die menschliche Lunge und die Straße die Blutbahnen. Die unzähligen Verkehrszeichen, die sie auf die Zeichnung übertrug, zeigen uns an, dass wir von Regeln oder von Zeichen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern bis zur Grenze der Überforderung umgeben sind. Ein Flanieren, wie es zum Beispiel in Paris nach dem Umbau der Stadt möglich war, das völlig entspannte Schauen ist heute längst nicht mehr möglich. Die Verkehrsinsel ist bei Winter/Hörbelt zu einem derart verdichteten Ort von Regeln geworden, dass er unbegehbar ist. Und dennoch hört man bisweilen Musik. Das ist bei Dichte des herrschenden Verkehrs in der Regel kaum möglich. Zusätzlich sorgt der Bonnell-Feserkern dafür, dass die Insel beim Betreten in Schwingung gerät. Damit gerät die vermeintliche Ordnung in Unordnung – alles kann im Chaos enden.

Dieses Prinzip wiederholt sich bei der Plattform Beton aus dem Jahr 2012. beim Betreten gerät sie in Schwingung. So wird die Erwartung an die Stabilität der Betonplatte nicht erfüllt. Beim Verlassen der Platte ist die Körpererfahrung irritiert. Beton als hartes und in unserer Erfahrung ein Material, welches ja beinahe äußerste Festigkeit und Stabilität verspricht, hält diese Erwartung nicht ein.

Die Kabine Bonnell ist aus Bonnell-Federkern geformt und ist als begehbare Plastik ein „Raum im Raum“. Jeweils eine Person darf sich in je einer Kabine aufhalten. Es ist ein sehr sinnlich erfahrbares Kunstwerk. Gleichzeitig erlebt der Besucher Durchlässigkeit wie Begrenzung. Zudem balanciert der Körper den flexiblen Untergrund aus. die Kabine Bonnell ist wie eine kleine Behausung auf engstem Raum. So geben Winter/Hörbelt der industriellen Massenware einen anderen Sinnzusammenhang. Kapselhotel in Japan = Überbevölkerung. Nähe und Distanz. Das Objekt Kabine Bonnell inspiriert also zur Auseinandersetzung von Werk und der Umgebung. Die Trennung von Kunst und Leben wird aufgehoben. Eine Auseinandersetzung von Winter/Hörbelt mit der Alltags- und Warenwelt.

Ein graues und ein gelbes Etui, 2012, formten die Bildhauer ebenfalls aus Bonnell-Federkern. Diese erinnern an Skulpturen der Minimal Art, die nach nach Objektivität, schematischer Klarheit, Logik und Entpersönlichung strebt. Typisch ist das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, meist geometrische Grundstrukturen, häufig in serieller Wiederholung, die industrielle Produktion wie auch der Einsatz von Fertigprodukten. Es wird häufig mit Gegensätzen wie Anfang und Ende, Fülle und Leere operiert.

In der Synergie von Ideen und Kompetenzen sind Winter/Hörbelt auf der Suche nach einem neuen Begriff von Skulptur.

 

Abb. 1: Ausstellungsansicht Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Lara Schmöckel

Abb. 2: Ausstellungsansicht Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Lara Schmöckel

Abb. 3: Ausstellungsansicht Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Lara Schmöckel

Abb. 4: Ausstellungsansicht Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Lara Schmöckel

Abb. 5: Winter/Hörbelt: Kabine Bonnell, 2012/2014, Ausstellungsansicht Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Daniela Ihrig

Abb. 6 : Winter/Hörbelt: Detail Etui, gelb, I-IV, 2012, Winter/Hörbelt – Körpermaumau, Museum Ostwall im Dortmunder U. © VG Bild-Kunst 2014, Foto: Daniela Ihrig

 

 

 

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Führung durch das Riemerschmid-Haus in Hagen

07.04.2014

Ich führe, sowohl im Auftrag der Stadt Hagen als auch privat organisiert, Besucher durch das für die Verhältnisse um die Jahrhundertwende komfortabel gestaltete Haus für Arbeiter. Entworfen und gebaut wurde es von Richard Riemerschmid – einem bedeutenden Kunstprofessor, Architekt und Künstler des Jugendstils. Er erhielt 1907 den Auftrag zum Bau der Arbeitersiedlung von der Hagener Textilindustrie Gebrüder Elbers AG in Hagen. Von 1908 bis 1910 baute er im Wasserlosen Tal zehn weitere Häuser dieses Gebäudetyps. Geplant war, 87 Wohneinheiten zu bauen – etwa einen Kilometer vom Unternehmenssitz entfernt. Zu 84 Wohnhäusern sollten ein Gebäudekomplex mit Gemeinschaftseinrichtungen sowie ein Kindergarten mit Betreuerwohnung hinzukommen.

Riemerschmid entwickelte für die einzelnen Straßenzüge insgesamt drei Gebäudetypen. Dabei war jedes Haus mit einem nach hinten gelegenen Nutzgarten mit kleinem Stall ausgestattet. Der garantierte den Bewohnern in den Sommermonaten die Selbstversorgung. Für die harten Wintermonate konnten Obst und Gemüse im vorhandenen Keller eingelagert werden. In der Zeit um die Jahrhundertwende eine ungemein hilfreiche und für die Arbeiterschicht beinahe schon luxuriöse Versorgungssituation.

1908 begann der Bau der ersten Häuserzeile des Bautyps I. Jedes der elf realisierten Häuser mit circa 50 qm großen Wohnungen verfügte über eine geräumige Wohnküche mit angrenzendem Bad. Die Inneneinrichtung war äußerst schlicht gehalten. In der Wohnküche sind eine Kochgelegenheit, ein Tisch mit vier Stühlen, eine Vitrine und ein geräumiger Wandschrank zu besichtigen. Ebenfalls hatte der aus Münchner stammende Architekt eine farbliche Raumgestaltung entwickelt, die anschaulich rekonstruiert ist.

Die Häuser sind mit einem grob bossierten Kalksandstein verkleidet; die Mansarddächer in Schiefer gedeckt. Dem Kenner bietet sich eine Häuserzeile in der Tradition des bergisch-märkischen Hausbaues. Abwechselnd sind Häusergiebel oder Traufen der Straße zugewandt. Wegen der Kostspieligkeit des Baustils und wegen des Ersten Weltkrieges wurde das Vorhaben – nach der Errichtung der elf Häuser – beendet.

Richard Riemerschmid schuf ebenfalls den Bebauungsplan der Gartenstadt Hellerau (1908-1912). Bemerkenswert ist auch, dass er die ersten „Maschienenmöbel“ entwarf; ein kartonverpacktes Schlafzimmer war für beispielsweise 225 Mark erhältlich.

Sind Sie neugierig auf das Haus geworden und wünschen Sie eine Besichtigung? Dann wenden Sie sich entweder an das Kunstquartier Hagen, www.kunstquartier-hagen.de,  oder direkt an mich unter 02302/77672 oder 0176/23345712. 

Abb.1: © Karsten-Thilo Raab

Abb.2: © Michael Eckhoff

Abb.3: © Michael Eckhoff

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Arbeitskreis zur Sammlung des Von der Heydt-Museums

13.03.2014

 

Seit Juli 2013 leite ich den Arbeitskreis zur Sammlung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal. Meine Kollegin, Gisela Schmoeckel, stand diesem seit seiner Gründung im Jahr 2008 vor – gemeinsam mit Irmgard Heuser, die auch weiterhin die gewohnt hohe kunstwissenschaftliche Qualität des Arbeitskreises mit mir gewährleistet.

Der Arbeitskreis bietet einen Treffpunkt für Freunde des Sammlungsbestandes des Museums. Regelmäßige Treffen bieten am jedem zweiten Donnerstag im Monat, von 15:00-16:00 Uhr, Gelegenheit, wissenschaftliche und praktische Museumsarbeit kennenzulernen und – wenn gewünscht – auch Themen vorzubereiten. Die Ergebnisse dieser Arbeit stellen wir an jedem ersten Donnerstag im Monat von 17:00 bis 18:00 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Führung vor. Es darf ergänzt, korrigiert, diskutiert werden. Jeder Beitrag ist willkommen. Die Teilnahme an der Führung und der Besuch des Museums sind ab 17:00 Uhr kostenfrei.

Seit Juli 2013 haben wir zu folgenden Themen vorbereitet und geführt (eine Auswahl): „Kunst nach 1945: Lucio Fontana und Günter Uecker“; „Nördliche und südliche Strandlandschaften – Courbet, Monet und Slevogt im Vergleich“; „Terry Fox – auf den Spuren der Skulptur im Fluxus“; „Der Realismus bei Leibl, Daumier und Géricault“; „Biomorphe Strukturen im Werk von Hans Arp“; „Vergangene Welten – Grafik von Dürer und Cranach in der Präsentation Alte Meister“.

Bei dem Thema „Vergangene Welten – Grafik von Dürer und Cranach in der Präsentation Alte Meister“ beschäftigten wir uns in der Führung mit folgenden Werken:

Albrecht Dürer, Das Meerwunder, um 1498. Noch heute streiten Kunsthistoriker über die Bedeutung des Dürer-Blattes, das sich in der Sammlung des Museums befindet. Kann es sein, dass das Rätselhafte, das Stoff für Fantasie und Gespräche bot, den Reiz des Werkes damals erhöhte?

Albrecht Dürer, Die Missgeburt eines Schweines (Die wunderbare Sau von Landser). Um 1496 schuf Dürer dieses Blatt. Bei der Missgeburt handelte es sich um eine Doppelgeburt mit nur einem Kopf. Die Schau der präparierten Missgeburt sorge damals für viel Aufsehen. Wie interpretierten Zeitgenossen derartige „monstra“? Galten sie als Ermahnung oder göttliche Warnung? Hatten sie eine zentrale Bedeutung für die Erfassung und Deutung der Welt? Oder erhoffte sich Dürer, der ein geschäftstüchtiger Unternehmer war, ganz einfach nur einen guten Verkauf des Stichs?

Abschließend beschäftigten wir uns mit dem schönen Blatt von Lucas Cranach d. Ä., Die Buße des Heiligen Chrysostomos, 1509. In diesem wird unter anderem erfahrbar, wie sich der Symbolgehalt von Flora und Fauna ganz wunderbar auf das dargestellte Thema beziehen lässt.

Zwei Teilnehmerinnen des Arbeitskreises und ich erläuterten zu den oben genannten Blättern Wissenswertes.

Programm von April bis Juni 2014: Im April treffen wir uns zu „Mensch und Natur im Einklang. Flämische Landschaftsmalerei des 16. und 17. Jahrhunderts“; im Mai zu „Zerstörte Landschaften im Menschenschlachthaus“ und im Juni zu „Skulptur im Freien – Tony Cragg Mörser/Flasche und Amphore/Dose“.

Ist Ihr Interesse geweckt? Dann informieren Sie sich zu Terminen und Uhrzeiten auf der Internetseite des Von der Heydt-Museums: http://vdh.netgate1.net/Kalender.html

 

 

 

 

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„… das sind so neue, kühne, ernste Sachen, diese Schnitte!“ CHRISTIAN ROHLFS – DRUCKGRAFIK AUS PRIVATBESITZ

12.03.2014


Das Osthaus Museum Hagen präsentiert in der Ausstellung unter dem gleichnamigen Titel vom 26. Januar bis zum 4. Mai 2014 die größte Privatsammlung druckgrafischer Arbeiten von Christian Rohlfs.

Mit seinem druckgrafischen Werk steht Christian Rohlfs (1849-1938) zwischen den Gattungen Druckgrafik, Zeichnung und Malerei. Der Künstler gestaltete in den beiden Jahrzehnten zwischen 1908 und 1926 ein exquisites druckgrafisches Œuvre von 185 Druckplatten, in deren Abzügen mit ihren malerischen und zeichnerischen Bearbeitungen sich thematisch wie stilistisch ein ungeheurer Facettenreichtum entfaltet. Von schlicht bis elaboriert, von heiter bis traurig, von verhalten bis überbordend, von monochrom bis leuchtend bunt reicht die Palette der Drucke und ihrer Variationen.

Christian Rohlfs‘ Werke haben bis heute nicht an Faszination verloren. Als Rohlfs 1908 mit dem Holzschnitt auf Zigarrenkistendeckeln und -böden begann, konnte er bereits auf eine fast 30jährige Erfahrung als Maler zurückblicken und sich dieser auch bedienen. Sein Repertoire umfasste sowohl den klassisch-akademischen Stil wie impressionistische Elemente oder auch eine an van Gogh orientierte Bildlichkeit, wie anschaulich an dem Holzschnitt Landschaft (Polling), 1910, zu sehen ist. Der außerordentlich malerische Charakter von Christian Rohlfs‘ Druckgrafiken beweist dies überaus deutlich. In der Ausstellung dominiert daher die Farbe, Rohlfs‘ wichtigstes Ausdrucksmittel.

Christian Rohlfs kam auf Initiative von Karl Ernst Osthaus 1901 nach Hagen, und bis zu seinem Tod im Jahre 1938 hatte er im Museum Folkwang Hagen sein Atelier, auch nach dem Verkauf der Sammlung im Jahre 1922 nach Essen. Vor allem der Förderung von Karl Ernst Osthaus verdankte er seinen Erfolg bereits zu Lebzeiten.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Abbildungen sämtlicher Werke, der unter anderem im Museumsshop erhältlich ist. Herausgeber ist das Christian Rohlfs Archiv, das 2011 als wissenschaftliches Kompetenzzentrum am Osthaus Museum Hagen gegründet wurde. Während der Dauer der Ausstellung kostet der Katalog im Museumsshop 19,90 Euro. Ausstellung und Katalog wurden realisiert in Zusammenarbeit mit der Galerie Utermann, Dortmund.

Ich führe Sie gerne durch die sehr sehenswerte Ausstellung im Osthaus Museum Hagen. Bei Interesse fragen Sie mich einfach über info@dagmarwinkler.de an.

Über Öffnungszeiten, Preise, das Vermittlungsprogramm und v.a.m. des Osthaus Museum Hagen können Sie sich über www.kunstquartier-hagen.de informieren.

 

An dieser Stelle sei auf eine weitere sehenswerte Schau zum Thema verwiesen. In der Kunsthalle Emden – leider etwas weit weg vom Ruhrgebiet – ist bis zum 11. Mai 2014 Grafik von Lyonel Feininger zu sehen. Die Wechselausstellung titelt: Auf dem Weg zum Bauhaus-Künstler. LYONEL FEININGER. HOLZSCHNITTE. Im Unterschied zu Rohlfs steht für Feininger nicht die Farbe im Vordergrund. Vielmehr gelang er über den Holzschnitt – mit dem er sich von 1918 bis 1920 auseinandersetzte – zu einer flächigen und geometrisch-reduzierten Bildlichkeit, die zur „reifen Malerei des Bauhaus-Künstlers in den 1920er-Jahren Entscheidendes beitragen konnte“, so Björn Egging. Gerne verweise ich auf den zur Ausstellung herausgegebenen Katalog, der im Kerber Verlag mit der ISBN 978-3-86678-824-4 erschienen ist.

 

Abb. 1: Christian Rohlfs: Drei Köpfe, um 1912, Holzschnitt, Druck in dünner Tempera auf Bütten, 35,4 x 27,0 cm, unsigniert, Privatbesitz, Fotografie: Foto Kühle, Hagen

Abb. 2: Christian Rohlfs: Junge Frau, 1920, Holzschnitt auf glattem, hellem Papier, mit Tempera, Tusche und Aquarell übermalt, 41,0 x 27,3 cm, unsigniert, monogr. u. dat. u. r.: CR 20, Privatbesitz, Fotografie: Foto Kühle, Hagen

Abb. 3: Christian Rohlfs: Tiere auf der Weide, 1921, Holzschnitt, Druck in Türkis und Braun auf glattem, hellem Papier, 13,4 x 25,6 cm, sign. auf der Unterlage u. r.: Chr. Rohlfs, Privatbesitz, Fotografie: Foto Kühle, Hagen

Abb. 4: Lyonel Feininger, Marine (mit Kriegsschiffen), 1918, Holzschnitt © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

 

 


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Von Cranach bis Géricault. Sammlung Gigoux. Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d‘ Archéologie de Besançon

11.03.2014

 

Vom 15. Oktober 2013 bis zum 23. Februar 2014 hat das Von der Heydt-Museum Wuppertal einen Teil der Sammlung des Künstlers Jean-François Gigoux in einer umfassenden Wechselausstellung gezeigt. Gigoux hat von 1829 bis zu seinem Tode im Jahr 1894 ungefähr 460 Gemälde und 3000 Zeichnungen gesammelt. Vermacht hat er seine Sammlung dem Museum seiner Heimatstadt – dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon.

Rund 100 Gemälde und 80 Zeichnungen sind nach Wuppertal gereist. Darunter wunderbare Gemälde von Lucas Cranach d. Ä., Giovanni Bellini, Tizian, Tintoretto, Dosso Dossi, Giovanni Battista Tiepolo,  Pieter Claesz, Willem Claesz Heda, Paul de Vos, van Dyck, Frans Snyders, Francisco de Zurbarán, Goya, Simon Vouet, Charles Le Brun und Jean-Dominique Ingres. Von Luca Signorelli, Rosso Fiorentino, Benvenuto Cellini, Luca Cambiaso, Tintoretto, Annibale Carracci, Giovanni Domenico Tiepolo, Ferdinand Bol, Rembrandt, Frans Snyders, Rubens, Jacob Jordaens, van Dyck, Nicolas Chaperon, Hilaire Pader, David, Delacroix und Géricault waren Zeichnungen höchster Qualität zu sehen.

Die Präsentation der Sammlung von Gigoux eignete sich hervorragend, um einen Gang durch die Kunstgeschichte zu unternehmen. Beginnend mit italienischen Werken aus dem 15. Jahrhundert spazierte der begeisterte Besucher bis zur französischen Kunst des 19. Jahrhunderts.

Der Einfluss der italienischen Renaissance auf Lucas Cranach d. Ä. war unter anderem in den ausgestellten Bildern Selbstmord der LukretiaKurtisane und Greis, um 1530 oder Adam und Eva, um 1530 ganz wunderbar abzulesen.

Die weiche Malerei der venezianischen Malerschule begeisterte den Sammler. So waren in der Ausstellung beispielhafte Werke dieser Schule zu bewundern: Giovanni Bellinis Die Trunkenheit Noahs, um 1515, Tizians Männliches Porträt, um 1513-1514 oder Tintorettos Porträt eines jungen Edelmannes, zwischen 1550 und 1570.

Auch die holländische Stilllebenmalerei war mit hervorragenden Werken von Pieter Claesz, Willem Claesz Heda und Jan Lievens vertreten. Über die Werke der niederländischen und spanischen Kunst gelangte man schließlich zu den Zeichnungen und Gemälden französischer Künstler von Nicoas Chaperons Die Speisung Jupiters durch die Ziege Amalthea, um 1649, bis zu Géricaults Zeichnungen und Studie zum Floß der Medusa, um 1818 und 1818/1819.

Ist auch die Ausstellung inzwischen vorbei, so kann dennoch der lesenswerte und abbildungsreiche Katalog Von Cranach bis Géricault. Sammlung Gigoux. Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon, ISBN 978-3-89202-087-5, erworben werden.

Ich freue mich, dass ich durch die Ausstellung führen und viel Wissenswertes zu den Werken erläutern durfte.

 

Abb. 1: Aimé Jules Dalou, Jean-François Gigoux, Marmor, 65 x 59 cm. © Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie, Besançon

Abb. 2: Lucas Cranach d. Ä., Selbstmord der Lukretia, Öl auf Holz, 85,5 x 58 cm. © Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie, Besançon

Abb. 3: Lucas Cranach d. Ä., Kurtisane und Greis, um 1530, Öl auf Holz, auf Leinwand aufgebracht, 79 x 57,5 cm. © Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie, Besançon

Abb. 4: Giovanni Bellini, Die Trunkenheit Noahs, 1515, Öl auf Leinwand, 103 x 157 cm. © Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie, Besançon

 

 

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